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Barcode-Halal-Check: Was der Strichcode verrät und was nicht
Ein Barcode enthält keine einzige Zutat. Er ist eine Artikelnummer, und jeder Halal-Check per Barcode schlägt diese Nummer in einer Datenbank nach und prüft die Zutatenliste, die dort hinterlegt ist. Das Urteil ist deshalb so gut wie dieser Eintrag, und es gibt drei Fälle, in denen du besser auf die Packung schaust.
Das klingt nach einer Einschränkung, ist aber vor allem eine nützliche Information. Wer weiß, woher eine Antwort kommt, weiß auch, wann er ihr trauen kann. Dieser Ratgeber erklärt, was in den Strichen steht, was die ersten Ziffern bedeuten, woher Tayyib die Zutaten nimmt und woran du merkst, dass ein Eintrag nicht mehr zur Packung passt.
Was in den Strichen steht
Der Strichcode auf einer Packung in Deutschland ist fast immer eine EAN-13, heute offiziell GTIN genannt (Global Trade Item Number). Das sind dreizehn Ziffern, die als Klartext auch unter den Strichen stehen. Kleine Packungen tragen oft die achtstellige EAN-8, Waren aus Nordamerika den zwölfstelligen UPC.
Die Nummer vergibt der Hersteller aus einem Nummernkreis, den er bei GS1 erworben hat, der Organisation hinter dem System. Sie steht für genau einen Artikel in genau einer Packungsgröße. Die letzte Ziffer ist eine Prüfziffer, die aus den übrigen berechnet wird, damit ein Scanner einen Lesefehler bemerkt. Mehr steht nicht darin: keine Zutaten, kein Herstellungsort, kein Siegel. Ob ein Produkt halal ist, lässt sich aus den Strichen allein nicht ablesen, von keiner App und von keinem Menschen.
Die ersten Ziffern sind kein Herkunftsland
Hartnäckig hält sich die Vorstellung, die ersten drei Ziffern verrieten, aus welchem Land ein Produkt stammt. Sie verraten etwas anderes: welche nationale GS1-Organisation die Nummer vergeben hat. Die Präfixe 400 bis 440 gehören zu GS1 Germany. Ein deutsches Unternehmen kann aber im Ausland produzieren lassen und trotzdem Nummern mit 40 verwenden, und ein ausländischer Hersteller kann seine Nummern über GS1 Germany beziehen. GS1 schreibt deshalb selbst, dass das Präfix das Herkunftsland eines Produkts nicht angibt.
Für die Halal-Frage heißt das zweierlei. Das Präfix sagt nicht, wo etwas hergestellt wurde, und schon gar nicht, woraus. Nachrichten, die aus den ersten Ziffern ein Urteil über ein Produkt ableiten, beruhen auf einem Missverständnis.
Woher Tayyib die Zutaten nimmt
Wenn du einen Barcode scannst, fragt Tayyib zwei Quellen gleichzeitig. Die erste ist Open Food Facts, eine offene Lebensmitteldatenbank, die Freiwillige pflegen: Sie fotografieren Packungen und übertragen die Zutatenliste. Die Daten stehen unter der freien Lizenz ODbL, deshalb nennt Tayyib sie als Quelle. Die zweite ist Tayyibs eigene Tabelle mit Einträgen, die ein Mensch geprüft und freigegeben hat, meist weil jemand eine fehlende oder falsche Liste gemeldet hat. Wo es einen solchen Eintrag gibt, hat seine Zutatenliste Vorrang.
Bewertet wird dann die Zutatenliste mit den Zusatzstoffnummern darin. Produktname, Marke und Foto fließen nicht ins Urteil ein. Ein Produkt, das „Halal“ im Namen trägt und Gelatine ohne Herkunftsangabe in der Liste, liest Tayyib als zweifelhaft, weil der Name nichts über die Gelatine sagt. Wie ein Halal-Siegel auf der Packung einzuordnen ist, steht unter Halal-Zertifizierung in Deutschland.
Drei Fälle, in denen die Nummer nicht reicht
Meist findet der Scan einen vollständigen Eintrag, und das Ergebnis steht nach einer Sekunde da. Drei Situationen solltest du aber kennen.
Der Barcode ist nirgends eingetragen. Dann gibt es nichts zu bewerten. Tayyib sagt das und öffnet gleich ein Formular, mit dem du das Produkt ergänzen kannst. Wer nur schnell eine Antwort will, fotografiert stattdessen die Zutatenliste. Die Texterkennung läuft auf dem Handy, und das Urteil kommt dann aus dem abgelesenen Text statt aus einer Datenbank.
Der Eintrag hat keine Zutatenliste. Das kommt häufiger vor, als man denkt: Oft hat jemand nur den Namen und ein Foto der Vorderseite hochgeladen. Ohne Zutaten zeigt Tayyib Unbekannt und kein Halal, denn eine fehlende Liste ist kein Beleg dafür, dass nichts Bedenkliches enthalten ist. Auch hier hilft das Foto der Zutatenliste.
Die Rezeptur hat sich geändert, die Nummer nicht. Diesen Fall sieht man nicht. Nach dem GS1-Standard für die Vergabe von GTINs braucht eine geänderte Rezeptur nur dann eine neue Nummer, wenn sich Pflichtangaben auf der Packung ändern und der Hersteller erwartet, dass Kunden den Unterschied bemerken. Beides muss zutreffen. Tauscht ein Hersteller etwa Pektin gegen Gelatine, ändert sich zwar die Zutatenliste, aber ob er deshalb eine neue Nummer vergibt, hängt an der zweiten Bedingung. Ein Datenbankeintrag von vor zwei Jahren kann dann die alte Liste zeigen.
Wann die Packung recht hat
Daraus folgt eine einfache Regel. Tayyib zeigt dir im Ergebnis unter Zutaten die Liste, die es bewertet hat. Ein Blick auf die ersten Einträge genügt, um sie mit der Packung in deiner Hand abzugleichen. Stimmen sie nicht überein, gilt die Packung. Fotografiere dann ihre Zutatenliste, damit das Urteil aus dem aktuellen Text kommt, und melde das Produkt, damit der Eintrag für alle korrigiert werden kann.
Besonders lohnt sich der Abgleich bei Produkten, die du lange nicht gekauft hast, und bei Packungen mit Aufdrucken wie „neue Rezeptur“ oder „verbesserter Geschmack“, denn genau dort hat sich etwas geändert.
Ohne Netz und ohne lesbaren Code
Ohne Internetverbindung kann Tayyib einen Barcode nicht nachschlagen. Die App sagt dann genau das, statt das Produkt für unbekannt zu erklären, denn eine Datenbank, die man nicht erreicht, ist etwas anderes als ein fehlender Eintrag. Mit einer Mitgliedschaft lässt sich die Datenbank vorher aufs Handy laden. Und ist ein Strichcode geknickt oder verschmiert, kannst du die Ziffern darunter von Hand eintippen.
Kurz gefasst
- Ein Barcode ist eine Artikelnummer (EAN-13 oder GTIN), keine Zutatenliste.
- Die ersten Ziffern nennen die GS1-Organisation, die die Nummer vergeben hat, nicht das Herkunftsland und schon gar nicht die Zutaten.
- Jeder Barcode-Check schlägt nach. Tayyib fragt Open Food Facts und die eigene geprüfte Tabelle, und die geprüfte hat Vorrang.
- Bewertet wird die Zutatenliste. Name und Marke zählen nicht.
- Kein Eintrag oder keine Zutaten: Unbekannt, nicht Halal. Das Foto der Zutatenliste hilft weiter.
- Eine Rezeptur kann sich ändern, ohne dass sich die Nummer ändert. Weicht die Liste in der App von der Packung ab, gilt die Packung.
Häufige Fragen
Kann man am Barcode erkennen, ob ein Produkt halal ist?
Nein. Der Barcode enthält nur eine Artikelnummer, keine Zutaten und kein Siegel. Eine App, die per Barcode prüft, schlägt die Nummer in einer Datenbank nach und bewertet die Zutatenliste, die dort hinterlegt ist. Das Urteil ist so gut wie dieser Eintrag.
Heißt eine 40 am Anfang, dass das Produkt aus Deutschland kommt?
Nein. Die Präfixe 400 bis 440 zeigen nur, dass die Nummer über GS1 Germany vergeben wurde. Wo das Produkt hergestellt wurde, sagen sie nicht, und GS1 weist selbst darauf hin. Über die Zutaten sagen sie erst recht nichts.
Was passiert, wenn Tayyib mein Produkt nicht findet?
Tayyib öffnet ein Formular, mit dem du das Produkt ergänzen kannst. Für eine sofortige Antwort fotografierst du die Zutatenliste: Die Texterkennung läuft auf dem Handy, und das Urteil kommt aus dem abgelesenen Text.
Kann das Ergebnis eines Barcode-Scans veraltet sein?
Ja. Eine Rezeptur kann sich ändern, ohne dass der Hersteller eine neue Nummer vergibt, und dann zeigt der Datenbankeintrag die alte Liste. Tayyib zeigt im Ergebnis die Zutaten, die es bewertet hat. Weichen sie von der Packung ab, gilt die Packung.
Warum zeigt Tayyib manchmal Unbekannt statt Halal?
Weil der Eintrag zu diesem Barcode keine Zutatenliste enthält, oft nur einen Namen und ein Foto. Eine fehlende Liste ist kein Beleg dafür, dass nichts Bedenkliches enthalten ist, deshalb gibt es dann kein Halal. Ein Foto der Zutatenliste liefert das Urteil.
So liest du eine Zutatenliste selbst →
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Fatwa und keine Zertifizierung. Er erklärt, woher die genannten Stoffe üblicherweise stammen und warum die Herkunft den Ausschlag gibt, im Zweifel gelten die Herstellerangabe bzw. eine anerkannte Halal-Zertifizierung.
Der Barcode findet den Eintrag, entscheiden tut die Zutatenliste. Scanne dein Produkt mit Tayyib, und wenn die Liste nicht zur Packung passt, fotografiere einfach die Packung.