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Ist E120 halal? Karmin, Cochenille und der rote Farbstoff

Der rote Farbstoff stammt aus Schildläusen. Die Mehrheit der Gelehrten meidet ihn deshalb, aber anerkannte Zertifizierer sind uneins, und darum ist er zweifelhaft und nicht eindeutig verboten.

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Die meisten E-Nummern sind ein Fall von „kommt drauf an, woraus es gemacht ist“. Bei E120 ist das anders, aber nicht so, wie man zunächst denkt: Die Quelle ist immer dieselbe, nämlich das Insekt, und trotzdem ist das Ergebnis nicht eindeutig. Denn strittig ist hier nicht die Herkunft, sondern ihre Bewertung.

Was ist E120?

E120 ist ein roter bis rosafarbener Lebensmittelfarbstoff. Gewonnen wird er aus getrockneten weiblichen Cochenille-Schildläusen. Aus den Insekten wird Karminsäure extrahiert, die den charakteristischen Rotton ergibt.

Auf Verpackungen begegnet dir derselbe Stoff unter vielen Namen:

  • E120
  • Karmin / Carmin
  • Karminsäure
  • Cochenille / Cochenillerot
  • Echtes Karmin
  • C.I. 75470

Warum die Mehrheit E120 meidet

Der Grund ist die Quelle: Insekten. Die hanafitische, schafiitische und hanbalitische Schule halten Landinsekten für nicht essbar, mit der Heuschrecke als ausdrücklicher Ausnahme, und ein daraus gewonnener Farbstoff teilt diese Einordnung. Weil E120 ausschließlich aus Schildläusen hergestellt wird, gibt es, anders als bei E471 oder Glycerin, keine pflanzliche Variante, auf die man ausweichen könnte.

Warum das Ergebnis trotzdem nicht eindeutig ist

Die malikitische Schule geht den umgekehrten Weg: Was nicht ausdrücklich verboten ist, gilt als erlaubt, und ungiftige Insekten sind damit nicht von vornherein ausgeschlossen. Auf dieser Grundlage haben mehrere anerkannte Stellen Karmin zugelassen:

Hält Karmin für zulässigLehnt Karmin ab
MUI (Indonesien), Fatwa 33/2011SMIIC, die Normungsstelle der OIC
Nationales Fatwa-Komitee Malaysia (2012), JAKIM zertifiziert E120GIMDES (Türkei)
Iftaa-Behörde Jordanien, über IstihalaIran, Islamweb, Darul Uloom Trinidad

Die zulassende Seite stützt sich auf zwei Argumente. Die Cochenille lebt auf Kakteen und ernährt sich rein pflanzlich, fällt also nicht unter die klassische Beschreibung des Widerwärtigen. Und die Herstellung von Karmin aus Karminsäure ist eine chemische Umwandlung (Istihala), die nach klassischem Verständnis reinigen kann.

Unsere Einordnung: zweifelhaft, nicht verboten. Die Mehrheit meidet Karmin, und wer ihr folgt, tut das ebenfalls. Aber wenn MUI und JAKIM Produkte mit E120 zertifizieren, wäre „eindeutig haram“ eine Behauptung, die der Sachlage nicht standhält. Wir nennen beide Seiten und überlassen dir die Entscheidung.

Vorsicht: E124 ist NICHT dasselbe

Ein Name stiftet regelmäßig Verwirrung: E124 heißt „Cochenillerot A“, enthält aber keine Insekten. E124 ist ein vollständig synthetischer Azofarbstoff. Der Name ist historisch, weil der Farbton dem Karmin ähnelt.

E-NummerNameQuelleHalal-Einordnung
E120Karmin / CochenilleSchildläuse (Insekten)Zweifelhaft, die Mehrheit meidet ihn
E124Cochenillerot A / Ponceau 4Rsynthetischkeine tierische Quelle

Wo E120 typischerweise drinsteckt

  • Fruchtjoghurt & Desserts, besonders Erdbeere, Himbeere, Kirsche
  • Süßwaren, rote Dragees, Bonbons, Zuckerglasuren
  • Getränke, rote Limonaden und Sirupe
  • Wurstwaren & Fertigsoßen, zur Farbauffrischung
  • Kosmetik, Lippenstift, Rouge (dort meist als CI 75470)

Unbedenkliche rote Alternativen

Rot heißt nicht automatisch Karmin. Diese Farbstoffe sind pflanzlich und unproblematisch:

  • E162, Betanin (Rote Bete)
  • E163, Anthocyane (Trauben, Beeren)
  • E160c, Paprikaextrakt
  • E160d, Lycopin (Tomate)

Auch ein Vegan-Label ist hier ein verlässlicher Hinweis: Karmin ist tierisch, ein als vegan gekennzeichnetes Produkt enthält es also nicht.

Häufige Fragen

Ist E120 halal?

Die Gelehrten sind uneins. Hanafi, Schafii und Hanbali halten Insekten für nicht essbar und meiden ihn, die malikitische Schule erlaubt sie. MUI und JAKIM zertifizieren Karmin, SMIIC und GIMDES lehnen ihn ab. Die ehrliche Einordnung ist deshalb zweifelhaft. Es gibt keine pflanzliche Variante, an der Quelle ändert sich also nichts.

Woraus wird E120 hergestellt?

Aus getrockneten weiblichen Cochenille-Schildläusen, aus denen Karminsäure extrahiert wird.

Ist E124 dasselbe wie E120?

Nein. E124 (Cochenillerot A) ist trotz des Namens ein vollständig synthetischer Azofarbstoff und enthält keine Insekten.

In welchen Produkten steckt E120?

Vor allem in roten und rosafarbenen Lebensmitteln: Fruchtjoghurt, rote Süßwaren, Getränke, manche Wurstwaren, und in Kosmetik wie Lippenstift.

Welche Alternativen zu E120 gibt es?

Pflanzliche rote Farbstoffe wie E162 (Rote Bete), E163 (Anthocyane), E160c (Paprika) und E160d (Lycopin).

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Hinweis: Dieser Artikel ist keine Fatwa und keine Zertifizierung. Er erklärt, woher die genannten Stoffe üblicherweise stammen und warum die Herkunft den Ausschlag gibt, im Zweifel gelten die Herstellerangabe bzw. eine anerkannte Halal-Zertifizierung.

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