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Ist Schweineschmalz halal? Welches Schmalz vom Schwein stammt
Schweineschmalz ist nicht halal, und weder Raffination noch die Menge ändert daran etwas. Auf Packungen macht eine andere Frage Ärger: Welches „Schmalz“ stammt überhaupt vom Schwein, und was verrät das Wort „Fett“, wenn kein Tier dabeisteht?
Wer „Schweineschmalz halal“ sucht, kennt die Antwort meist schon. Diese Seite beantwortet, was danach kommt: wie Schmalz auf einer Packung heißen kann, welche Schmalze nichts mit dem Schwein zu tun haben und was das EU-Recht über die Angabe „Fett“ verlangt.
Was ist Schweineschmalz?
Schweineschmalz ist Fett vom Schwein, das ausgelassen wurde: Durch Erhitzen schmilzt es aus dem Fettgewebe und wird abgefiltert. In der Küche gibt es zwei Formen, das weiße, fast geschmacklose Schmalz und das Griebenschmalz, dem Grieben (ausgebratene Speckwürfel), Zwiebeln und oft Apfel beigegeben sind. Auf Zutatenlisten und Speisekarten heißt es:
- Schweineschmalz, Schmalz, Griebenschmalz, Schweinefett
- saindoux (Französisch), lard (Englisch), strutto (Italienisch), manteca de cerdo (Spanisch), domuz yağı (Türkisch)
- شحم الخنزير, دهن الخنزير (Arabisch)
Die fremdsprachigen Formen sind falsche Freunde in beide Richtungen, wie die Seite Zutaten übersetzen zeigt: französisch „lardon“ ist ein Speckwürfel, englisch „lard“ kein Fleisch, sondern das Fett.
Warum Schweineschmalz nicht halal ist
Der Koran verbietet das Schwein an drei Stellen: Sure 2:173, Sure 5:3 und Sure 6:145. Die letzte nennt sein Fleisch ausdrücklich und bezeichnet es als unrein (rijs). Die vier sunnitischen Rechtsschulen behandeln das Tier als Ganzes, sein Fett eingeschlossen, und streiten darüber nicht. Schmalz fällt deshalb unter dieselbe Regel wie Schweinefleisch, und Tayyib liest es als haram, die schwerste der drei Stufen.
Warum Ausschmelzen und Raffinieren nichts ändern
Bei Gelatine, Karmin oder Emulgatoren diskutieren Gelehrte die Istihala, die Umwandlung: Ein Stoff, der verboten oder unrein war, verliert nach dieser Lehre das Verbot, wenn er sich so verändert, dass er einen anderen Namen und andere Eigenschaften hat. Der Beschluss Nr. 198 (4/21) der Internationalen Islamischen Fiqh-Akademie der OIC von 2013 verlangt dafür eine vollständige chemische Umwandlung. Eine teilweise genügt nicht.
Schmalz erfüllt das nicht. Das Fett wird geschmolzen, gefiltert, gebleicht und desodoriert, die Fettmoleküle bleiben dabei dieselben, und das Ergebnis heißt weiter Schmalz oder „Fett, tierisch“. Auch ein gehärtetes Fett bleibt ein Fett, die EU verlangt dafür nur den Zusatz „ganz gehärtet“ oder „teilweise gehärtet“. Dass all das Reinigung und keine Umwandlung ist, ist unsere Anwendung des Kriteriums auf einen Fall, den wir im Beschluss nicht als eigenen Fall finden. Die Gelatine-Debatte in Ist Gelatine halal? hängt an derselben Frage, nur dass dort Kollagen in einem chemischen Verfahren tatsächlich aufgespalten wird.
Nicht jedes Schmalz ist Schwein
Im Wort „Schmalz“ steckt nicht immer ein Schwein. Steht keine Tierart davor, meint es im Deutschen das Schweineschmalz, und so liest Tayyib es. Nennt die Zutat ein anderes Tier oder eine Pflanze, wird sie nach diesem Stoff beurteilt:
- Butterschmalz: geklärte Butter, also reines Milchfett. Halal, Tayyib markiert es nicht.
- Pflanzenschmalz: Backfett aus gehärtetem oder gemischtem Pflanzenfett, meist Kokos- oder Palmfett. Halal, Tayyib markiert es nicht.
- Gänseschmalz, Hühnerschmalz, Rinderschmalz: kein Schweinefett, aber Fett von Tieren, die erlaubt sind, wenn sie islamisch geschlachtet wurden. Die Packung zeigt das nicht, deshalb liest Tayyib sie als zweifelhaft. Der Halal-Nachweis des Herstellers beantwortet die Frage, so wie bei jedem Rinderprodukt.
Wo Schmalz vorkommt
- Brotaufstrich: Griebenschmalz und Schmalz auf dem Brot, im Glas oder im Becher.
- Wurst und Fleischkonserven: Leberwurst, Bratwurst und Eintöpfe aus der Dose enthalten häufig Schweinefleisch und Schweinefett zugleich.
- Schmalzgebäck: Schmalznudeln, Krapfen und manches Gebäck werden traditionell in Schmalz ausgebacken.
- Fertiggerichte: Bratkartoffeln oder Rotkohl aus dem Glas können Schmalz als Bratfett führen.
- Bäckerei, Metzgerei, Imbiss: Lose Ware trägt meist keine Zutatenliste. Dort hilft nur die Frage, womit der Teig gemacht und was frittiert wurde.
Was auf der Packung stehen muss
Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (Nr. 1169/2011) regelt in Anhang VII Teil A, wie Fette im Zutatenverzeichnis heißen müssen. Raffiniertes Fett tierischer Herkunft heißt dort „Fett“, ergänzt durch das Wort „tierisch“ oder durch die Tierart. Raffinierte Pflanzenfette dürfen als „pflanzliche Fette“ zusammengefasst werden, wenn danach jede Pflanze einzeln genannt wird. Eine Packung kann also legal „Fett, tierisch“ schreiben und damit verschweigen, ob es Rind oder Schwein ist.
Tayyib liest das so:
- Schweinefett, Schweineschmalz, Schmalz und die fremdsprachigen Namen: haram.
- Tierisches Fett ohne Tierart: zweifelhaft, weil das Tier offen bleibt.
- Pflanzliches Fett: nicht markiert.
- Steht nur „Fett“ oder „Speisefett“ da, markiert Tayyib nichts. Das ist kein Freibrief, sondern die Grenze dessen, was eine Zutatenliste hergibt.
Ein Halal-Hinweis an anderer Stelle der Zutatenliste ändert an Schweineschmalz nichts, denn das Schwein ist unabhängig von der Schlachtung verboten. „Ohne Schweineschmalz“ dagegen liest Tayyib als das, was es sagt.
Kurz gefasst
- Schweineschmalz ist haram, auch ausgelassen, raffiniert oder gehärtet.
- Die Istihala hilft nicht, weil Ausschmelzen und Raffinieren das Fett reinigen und nicht in einen anderen Stoff verwandeln.
- Butterschmalz und Pflanzenschmalz sind kein Schwein und werden nicht markiert.
- Gänse-, Hühner- und Rinderschmalz lesen zweifelhaft, weil die Schlachtung offen ist.
- Die EU verlangt bei raffiniertem Tierfett „Fett“ mit „tierisch“ oder der Tierart, „tierisches Fett“ lässt das Tier also offen.
- Bei loser Ware aus Bäckerei und Imbiss fragen, denn dort gibt es keine Zutatenliste.
Häufige Fragen
Ist Schweineschmalz halal?
Nein. Schwein ist nach dem Konsens der vier sunnitischen Rechtsschulen verboten, und das Fett gehört zum Tier. Tayyib liest Schweineschmalz, Schmalz, Griebenschmalz und Schweinefett als haram, die schwerste der drei Stufen.
Wird raffiniertes oder gehärtetes Schmalz halal?
Nein. Ausschmelzen, Filtern, Bleichen und Desodorieren reinigen das Fett, verwandeln es aber nicht in einen anderen Stoff. Der Beschluss Nr. 198 der Internationalen Islamischen Fiqh-Akademie verlangt für die Istihala eine vollständige chemische Umwandlung, und ein gehärtetes Fett bleibt ein Fett.
Ist Butterschmalz oder Pflanzenschmalz halal?
Ja. Butterschmalz ist geklärte Butter, also Milchfett, und Pflanzenschmalz besteht aus Pflanzenfett, meist Kokos- oder Palmfett. In beiden steckt kein Schwein, und Tayyib markiert sie nicht.
Und Gänseschmalz, Hühnerschmalz oder Rinderschmalz?
Sie sind kein Schweinefett, aber Fett von Tieren, deren Schlachtung die Packung nicht zeigt. Deshalb liest Tayyib sie als zweifelhaft und nicht als haram. Mit einem Halal-Nachweis des Herstellers ist die Frage beantwortet.
Steht auf der Packung immer, dass Schmalz enthalten ist?
Bei verpackter Ware muss raffiniertes Tierfett nach der EU-Kennzeichnungsverordnung als „Fett“ mit dem Zusatz „tierisch“ oder mit der Tierart genannt werden, ein Wort wie „tierisches Fett“ verschweigt also das Tier. Lose Ware aus Bäckerei, Metzgerei oder Imbiss hat meist keine Zutatenliste, dort hilft nur die Frage nach Teig und Frittierfett.
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Hinweis: Dieser Artikel ist keine Fatwa und keine Zertifizierung. Er erklärt, woher der genannte Stoff üblicherweise stammt und warum die Herkunft den Ausschlag gibt, im Zweifel gelten die Herstellerangabe bzw. eine anerkannte Halal-Zertifizierung.
Steht Schmalz oder „tierisches Fett“ auf deiner Packung? Scanne den Barcode mit Tayyib und sieh sofort, ob es markiert ist.