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Ist vegan automatisch halal? Was das Vegan-Zeichen klärt und was nicht

Fast jeder Tayyib-Ratgeber nennt das Vegan-Zeichen als Ausweg, wenn bei E471, Glycerin oder Gelatine die Herkunft offen ist. Diese Seite erklärt, worauf sich das stützt: was das Wort in Deutschland bedeutet, welche Fragen es beantwortet, und an welcher Stelle es für die Halal-Frage nichts sagt.

Die kurze Antwort: Ein Vegan-Zeichen erledigt fast alles, was ein Produkt zweifelhaft macht, denn die meisten Zweifel sind Herkunftsfragen. Tierisch oder pflanzlich? Darauf antwortet es. Alkohol ist keine Herkunftsfrage, und dort hilft es nicht.

Was vegan in Deutschland bedeutet

Ein Gesetz, das das Wort bestimmt, gibt es nicht. Artikel 36 Absatz 3 der Lebensmittelinformationsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 trägt der EU-Kommission seit 2011 auf, die Angaben „für Vegetarier geeignet“ und „für Veganer geeignet“ in einem Durchführungsrechtsakt zu regeln. Erlassen hat sie ihn nicht.

In Deutschland gilt stattdessen eine Definition, die die Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder im April 2016 beschlossen hat. Sie ist eine Empfehlung und keine Verordnung, aber die Lebensmittelüberwachung legt sie zugrunde, wenn sie prüft, ob eine Angabe irreführt. Vegan ist danach ein Lebensmittel, dem auf keiner Produktions- oder Verarbeitungsstufe etwas Tierisches zugesetzt wurde. Die Definition zählt ausdrücklich auf, was dazugehört: Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen, Enzyme und Verarbeitungshilfsstoffe.

Zwei private Maßstäbe arbeiten ähnlich: das V-Label der Europäischen Vegetarier-Union und die internationale Norm ISO 23662 von 2021. Wer ein solches Zeichen druckt, hat sich auf einen davon festgelegt.

Was ein Vegan-Zeichen für die Halal-Frage erledigt

Die meisten Markierungen in Tayyib fragen nach der Herkunft. Ein glaubwürdiges Vegan-Zeichen beantwortet sie alle auf einmal:

  • Gelatine und Kollagen: immer tierisch, also ausgeschlossen.
  • E471, E472, E422, E476, E435 und Magnesiumstearat: können aus tierischem Fett stammen, in einem veganen Produkt nicht.
  • E920 (L-Cystein): wird teils aus Federn oder Borsten gewonnen, in einem veganen Produkt nicht.
  • Lab, Pepsin, Talg und Schmalz: ausgeschlossen.
  • E120 (Karmin) und E904 (Schellack): stammen von Insekten und sind deshalb nicht vegan. Bei ihnen ist nicht die Herkunft umstritten, sondern das Urteil über Insekten. Ein veganes Produkt enthält sie schlicht nicht.

An einer Stelle weiß das Zeichen mehr als jede Zutatenliste: bei den Verarbeitungshilfsstoffen. Wer Apfelsaft mit Gelatine klärt, muss sie nicht angeben, weil sie wieder entfernt wird und nach Artikel 20 der Lebensmittelinformationsverordnung nicht als Zutat gilt. Die Zutatenliste kann dazu also nichts sagen. Die Definition von 2016 schließt tierische Hilfsstoffe dagegen ausdrücklich aus.

Wo es nichts sagt: Alkohol

Alkohol entsteht aus vergorenen Pflanzen. Wein, Bier, Rum und Ethanol sind deshalb vegan, sobald sie ohne tierische Mittel geklärt wurden, und „veganer Wein“ steht inzwischen auf vielen Etiketten. Für die Halal-Frage ändert das nichts. Wein ist Khamr, verboten nach Sure 5, Vers 90, und darin stimmen alle vier Rechtsschulen überein.

Weniger sichtbar ist Alkohol als Lösungsmittel. Aromen werden häufig in Ethanol gelöst, und ein veganes Aroma ist eines ohne tierische Bestandteile, nicht eines ohne Alkohol. Wie viel ein Spurenrest wiegt, ist eine eigene Frage, die der Ratgeber zu Aroma mit den Positionen dazu erklärt. Das Vegan-Zeichen beantwortet sie nicht.

Was es nicht verspricht: eine eigene Anlage

Die Definition lässt unbeabsichtigte Einträge zu, wenn sie trotz guter Herstellungspraxis technisch unvermeidbar sind. Ein veganer Keks darf also auf derselben Linie laufen wie einer mit Butter oder Gelatine, solange dazwischen ordentlich gereinigt wird. Vegan beschreibt die Rezeptur, nicht die Fabrik. Eine Halal-Zertifizierung prüft dagegen auch die Herstellung, mehr dazu im Ratgeber zur Halal-Zertifizierung.

Vegetarisch ist eine andere Auskunft

Nach derselben Definition darf ein vegetarisches Lebensmittel genau sieben tierische Stoffe enthalten: Milch, Kolostrum, Eier von Farmgeflügel, Honig, Bienenwachs, Propolis und Wollfett (Lanolin) aus der Wolle lebender Schafe. Alles andere ist ausgeschlossen wie bei vegan.

Für die Halal-Frage ist diese Liste bemerkenswert. Keiner der sieben Stoffe stammt von einem geschlachteten Tier. Milch, Eier und Honig sind unstrittig erlaubt, Lanolin nach der großen Mehrheit, wie der Ratgeber zu Vitamin D3 erklärt. Ein vegetarisches Zeichen schließt Gelatine, Kälberlab, Talg und Karmin also ebenso aus wie ein veganes. Beim Käse ist es sogar das naheliegende Zeichen, weil ein Käse mit Kälberlab in Deutschland nicht als vegetarisch gilt.

Tayyib liest das Wort vegetarisch bisher nur beim Lab als Herkunftsangabe. „Vegetarisches Lab“ markiert die App nicht. „Vegetarische Mono- und Diglyceride“ bleiben markiert, „vegane“ oder „pflanzliche“ nicht.

Umgekehrt: nicht vegan heißt nicht haram

Milch, Eier, Honig und Fisch sind nicht vegan und trotzdem erlaubt. Ein Produkt ohne Vegan-Zeichen ist also nicht verdächtig, ihm fehlt nur eine Auskunft. Am Beispiel Eilecithin zeigt das der Ratgeber zu E322.

Was Tayyib mit dem Wort vegan macht

Tayyib liest die Zutatenliste. Steht vegan oder pflanzlich direkt bei einer Zutat, gilt das für diese Zutat: „vegane Mono- und Diglyceride“, „Glycerin (vegan)“ oder „vegane Salami“ markiert die App nicht.

Ein Vegan-Zeichen auf der Vorderseite gehört nicht zur Zutatenliste und erreicht den Scan deshalb nicht. Hat Tayyib für ein Produkt festgehalten, dass es vegan ausgelobt ist, steht im Ergebnis Vegan bestätigt. Dann fallen die Herkunftszweifel weg, etwa bei E471, E422 oder E920. Drei Arten von Markierungen bleiben trotzdem stehen:

  • Alkohol und Aroma, weil das Zeichen dazu nichts sagt. Wein bleibt nicht halal, Ethanol und Aroma bleiben zweifelhaft.
  • Karmin, Schellack und Meerestiere, weil dort nicht die Herkunft umstritten ist, sondern das Urteil.
  • Gelatine oder Fleisch, die in der Liste selbst stehen, weil sie dem Zeichen widersprechen, statt von ihm geklärt zu werden.

Kurz zusammengefasst

  • Vegan ist in Deutschland durch eine Empfehlung der Länder von 2016 bestimmt, nicht durch ein Gesetz. Die EU-Regelung von 2011 ist nie erlassen worden.
  • Die Definition schließt Tierisches auch bei Trägerstoffen, Aromen, Enzymen und Verarbeitungshilfsstoffen aus, die oft nicht auf der Packung stehen.
  • Damit beantwortet ein Vegan-Zeichen die Herkunftsfragen bei Gelatine, E471, E422, E920, Lab und Talg.
  • Zum Alkohol sagt es nichts: Wein, Bier und Ethanol sind vegan. Veganer Wein ist nicht halal.
  • Vegetarisch erlaubt nur sieben tierische Stoffe, keinen davon von einem geschlachteten Tier.
  • Nicht vegan heißt nicht haram: Milch, Eier, Honig und Fisch sind erlaubt.

Häufige Fragen

Ist vegan automatisch halal?

Fast, aber nicht ganz. Ein veganes Produkt enthält keine Gelatine, kein tierisches Fett, kein Karmin und keinen tierischen Hilfsstoff. Alkohol kann es trotzdem enthalten, denn Wein, Bier und Ethanol sind pflanzlich. Ein Vegan-Zeichen beantwortet die Herkunftsfragen, die Alkoholfrage nicht.

Ist veganer Wein halal?

Nein. Vegan heißt beim Wein nur, dass er ohne Gelatine, Hausenblase, Kasein oder Eiklar geklärt wurde. Wein bleibt Khamr, und Tayyib liest ihn als nicht halal, ob vegan oder nicht.

Ist das Wort vegan gesetzlich geregelt?

Nicht durch ein Gesetz. In Deutschland gilt die Definition der Verbraucherschutzministerkonferenz von 2016, an der die Lebensmittelüberwachung misst, ob eine Angabe irreführt. Die EU sieht seit 2011 eine eigene Regelung vor, hat sie aber nicht erlassen.

Reicht auch ein vegetarisches Zeichen?

Für die Herkunft meist ja. Vegetarisch erlaubt nur Milch, Kolostrum, Eier, Honig, Bienenwachs, Propolis und Wollfett von lebenden Schafen, also nichts von einem geschlachteten Tier. Gelatine, Kälberlab und Karmin schließt es ebenso aus wie vegan, den Alkohol ebenso wenig.

Erkennt Tayyib ein Vegan-Zeichen auf der Packung?

Beim Scan nicht, denn das Zeichen steht nicht in der Zutatenliste. Steht vegan bei einer einzelnen Zutat, zählt es für diese Zutat. Hat Tayyib ein Produkt als vegan festgehalten, zeigt das Ergebnis „Vegan bestätigt“, und die Herkunftszweifel entfallen. Alkohol, Aroma, Karmin und Schellack bleiben markiert.

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Hinweis: Dieser Artikel ist keine Fatwa und keine Zertifizierung. Er erklärt, woher die genannten Stoffe üblicherweise stammen und warum die Herkunft den Ausschlag gibt, im Zweifel gelten die Herstellerangabe bzw. eine anerkannte Halal-Zertifizierung.

Steht vegan auf der Packung, aber Aroma oder Alkohol in der Liste? Scanne den Barcode mit Tayyib und sieh sofort, was markiert ist und warum.